Unser Standpunkt
2010 - "Die Tour und seine Leichen"
Die Profiradsportler quälen sich bis an die Leistungsgrenze und darüber hinaus. Dass nicht alles rechtens zugeht ist ein offenes Geheimnis; warum sterben junge gesunde Sportler reihenweise den Sekundentod?
Noch bei der Tour de Suisse erlitt der 31-jährige Kim Kirchen nach der 7. Etappe einen Herzstillstand. Er hatte Glück, sein Zustand wurde rasch bemerkt und er konnte reanimiert werden.Neunmal mussten die Ärzte es bei Gerd Audehm am 08.07.2000 versuchen, bis sein Herz wieder zu schlagen begann. Für andere Profis kam jede Hilfe zu spät. Spielte Doping hier eine entscheidende Rolle?
Allein in den vergangenen 7 Jahren starben mehr als 20 Sportler im Schlaf.
Junge Männer wachten einfach nicht mehr auf. Nach Ansicht des Mediziners Hans-Willi Breuer, Chefarzt des Malteser Krankenhauses St. Carolus in Görlitz, kann etwas nicht stimmen, wenn Radprofis in der Herz-Ruhephase sterben. Krankhafte Verdickungen des Herzmuskels, so belegt eine Studie aus den Vereinigten Staaten, waren nur in 36 Prozent der Fälle am unerwarteten Tod junger Leistungssportler beteiligt. Als Gerd Audehm aus dem Koma erwachte, kann er sich an sein Leben zuvor nicht mehr erinnern. Ein zusätzlich erlittener Schlaganfall hat sein Gehirn geschädigt. Einst ein Radprofi, jetzt ein Pflegefall. Als Ursache wird eine vor zehn Jahren verschleppte Herzmuskelentzündung "Myokarditis" diagnostiziert. Wenn Sportler sich über die Grenzen ihres Körpers hinwegsetzen, erhöhen sie in jedem Fall das Risiko einer Herzerkrankung. Auch Schmerzmittel, Antibiotika oder Medikamente gegen Heuschnupfen können einen Sekundentod herbeiführen.
Radfahren als Kraft-Ausdauer-Sportart gilt bereits seit vielen Jahren als besonders auffällig; geschluckt wird nahezu alles was stark und schnell macht. Doping gehörte und gehört im Kraft- und Radsport dazu wie Essen, Trinken und Schlafen.Ein Verzicht auf leistungssteigernde Substanzen ist nicht ernsthaft gewollt.
Tom Simpson gehört am 13.07.1967 auf dem Gipfel des Mount Ventoux zu den frühen Dopingopfern. Plötzliche Todesfälle durch Einnahme von Muskelpillen und Anabolika folgen. Der Grund liegt in den drastischen Veränderungen im Herzgewebe, die zudem noch Krebserkrankungen auslösen können. Die Sucht nach zusätzlicher Muskelmasse fordert ihren Tribut. Anfang der neunziger Jahre steigt die Zahl der Todesfälle bei Sportlern drastisch durch EPO. Es vergrößert den Herzmuskel, macht Blut zähflüssiger und verlangsamt den Puls. Thrombosen, Embolien, Infarkte und tödliche Rhythmusstörungen besorgen den Rest. Es gilt mittlerweile als bewiesen, welche Schäden im Körper durch die Reaktionskette ausgelöst werden können. In erschreckender Art und Weise belegt auch die Aussage von Jörg Jaksche vor dem Bundeskriminalamt, wie und womit systematisch in Rennställen gedopt wurde.
Alles nicht neu - Wer dopt, begibt sich in Lebensgefahr. Ein weiteres riskantes Spiel ist die gleichzeitige Einnahme mehrerer Doping-Mittel, wie jüngst vom Radrennfahrer Bernhard Kohl geschildert. Tatsache ist, dass noch immer ein Anti-Doping-Gesetz in Deutschland, wie in Italien oder Frankreich verabschiedet , bis heute fehlt.
Gerd Audehm ist heute 42 Jahre alt. Die Chancen, dass sich die Erinnerung wieder einstellt, ist denkbar gering. Damit künftig nicht noch mehr junge Sportler sterben oder gar zum Pflegefall werden, sollte schnellstmöglich ein Anti-Doping-Gesetz verabschiedet werden.
2009 - "Radsportler als Dopingopfer"
Der Hochleistungssport gerät mehr und mehr im Sumpf der Leistungsmanipulation zu versinken. Laut Medienberichterstattung drohen gerade hohe Titelträger der medi-zinischen Fakultät im dopingverseuchten Radsport unterzugehen.
Ein Horrorszenario? Wohl nicht. Es scheint, als hätten die weißen Kittelträger nicht nur Vorsorge betrieben, sondern systematisch strafbare Arzeneien verabreicht.
Um Beschäftigung wird sich der Dopingopfer-Hilfeverein künftig nicht sonderlich bemühen müssen. Der leitende Mediziner in Person von Klaus Zöllig erwartet, dass in den kommenden Jahren eine Welle auf uns zurollt. Es werden jede Menge von Medizinern zur Feststellung der körperlichen Veränderungen und Beeinträchtigungen bei Dopingopfern benötigt. Spezialisierte medizinische Betreuung wird mehr denn je notwendig sein. Leberschäden, Verkalkung in den Adern, Schädigungen am Herz-Kreislauf-System, Schädigungen an Wirbelsäulen, depressive Verhaltensweisen dürften den Reigen der Dopingfolgen komplettieren. Es wird einen Pool von Sportlerschicksalen geben, auf die man sich heute schon vorbereiten sollte. Prävention bedeutet auch sagen zu können, was den Betroffenen im einzelnen für die Zukunft erwartet.
Politik und Sportverbände sowie auch Vereine und Rennställe tragen eine gehörige Mitschuld am Doping. Mit einer wissenschaftlichen Aufarbeitung des Dopings sowie der kommenden Opfer-Epoche dürfte das Thema noch längst nicht erledigt sein.
Von der aktuellen Dopinggeneration, in der Viren Gene in den Körper transportieren, wird auf Dauer keiner der Hochleistungssportler das Rentenalter erreichen.
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